Repertoire

' Das Utopie-Projekt: "Es wäre möglich, es könnte anders sein ..."

Welche Halbwertzeit haben Utopien? Verkehren sie sich in der Realität zwangsläufig in ihr Gegenteil, weil jedem Entwurf von einer idealen Welt und Gesellschaft die Gefahr seiner totalitären Pervertierung innewohnt?

Sollte, wer Visionen hat, also vielleicht doch besser zum Arzt gehen, oder brauchen wir gerade heute wieder Visionäre, denen wir glauben können: „I have a dream“? Und wo stehen wir selbst – zwischen Ideal und Wirklichkeit?
Schon in der Arbeit für unser Projekt „feels like Heimat“ (2013) war Utopie eine wichtige inhaltliche Bezugsgröße im Sinne von Robert Menasse: „Heimat ist die schönste Utopie.” Inzwischen hat „Heimat“ nicht nur eine fast inflationäre gesellschaftliche Renaissance erfahren, der Begriff wird zunehmend auch wieder mit äußerst ambivalenten politischen Implikationen aufgeladen. Wird aus Thomas Morus’„Utopia“ (1516) ein postmodernes „Retrotopia“, in dem an die Stelle des Glaubens an eine bessere Zukunft die Verklärung der Vergangenheit und eine „verzweifelte Sehnsucht nach Kontinuität in einer fragmentierten Welt“ (Zygmunt Baumann) treten? Andererseits gibt es, gerade angesichts von Klimawandel, weltweiten Fluchtbewegungen und der zunehmenden Fragilität politischer Bündnisse, Bewegungen und vor allem Menschen, deren Engagement weiter auf eine Veränderbarkeit der Welt hoffen lassen.

So haben wir noch einmal Kurs genommen auf Utopia, die Insel, die es eigentlich ja gar nicht gibt. Denn ou-tópos bedeutet im Altgriechischen der „Nicht- oder Nirgend-Ort“; aber schon Thomas Morus spielte mit dem im Englischen gleich gelauteten eu-tópos, dem guten Ort. Und dass es den geben kann, vielleicht sogar viele davon, und dass man dafür gerade nicht in die Karibik fahren muss, daran glauben wir. Trotz aller Fragen, die geblieben sind oder sich neu aufgetan haben während dieser Theaterreise …

Fotos: Fabian Kelin & Sebastian Schoen

' "feels like Heimat" - Szenen für unterwegs

Irgendwo, zwischen Herkunft und Ankunft, Willkommen und Abschied, liegt Heimat. Aber ist sie ein Ort oder doch nur ein Gefühl, wie Herbert Grönemeyer singt? Und welche Heimat wollen oder brauchen wir und wie viel(e) davon?

Wir begeben uns auf eine Entdeckungsreise und segeln zu ganz verschiedenen Inseln von Heimat: Von der deutschen Romantik bis zu den Nichtorten der modernen Globalisierungsnomaden, vom World Wide Web bis hin zu den geheimen Sehnsuchts-Orten in uns selbst. Die szenisch-musikalische Collage nimmt den Zuschauer mit auf eine Spurensuche zwischen Heimat-Kunde und Heim-Suchung, Gemüt und Gemütlichkeit, Fernweh und Heimweh, Glücks- und Lebensplänen. Und dabei können schon mal bayrische Gstanzln auf Franz Schubert, Freddy Quinn und Jim Morrison treffen.

Mit uns zusammen reist auch Herr Gerber. Vielleicht ist er alt, vielleicht sogar schon dement, denn er will einfach nur „nach Hause“. Und befindet sich damit in bester Gesellschaft – mit uns allen. „Wo gehen wir denn hin? Immer nach Hause.“, wusste schon der Romantiker Novalis. Und wusste damit vielleicht damals schon mehr als Herbert Grönemeyer.